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Ölwehrübung im Achendelta am Chiemsee 2014

22. Sep. 2014 22:12

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Chiemsee. Am Freitag und am Samstag, 19. Und 20. September, brachten rund 160 Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks (THW) mit ca. 40 Fahrzeugen und zwölf Booten rege Betriebsamkeit an das sich sonst selbst überlassene Naturschutzgebiet im Mündungsdelta der Tiroler Ache. Dort wo nur Radfahrer und Spaziergänger unterwegs sind, fuhren selbst große Spezialfahrzeuge. Jetzt nur noch alle drei Jahre findet so eine große überregionale Ölwehrübung statt. Sie probt den Ernstfall und bekämpft, dass sich bei einem Unfall Öl über die Tiroler Ache im Chiemsee und in dessen Folgegewässer ausbreitet.

Vorgeschriebene Übung

Die Übung wird von der Regierung Oberbayern für den Betrieb der transalpinen Ölleitung vorgeschrieben und ist Teil eines umfassenden Sicherheitskonzeptes. Die Pipeline vom italienischen Mittelmeerhafen Trieste nach Mitteleuropa quert südlich des Chiemsee den Alpenhauptkamm und die Tiroler Ache.

Die Ölwehr

Das Material für eine Ölsperre im Chiemsee rund um das Delta der Ache halten die Pipelinebetreiber, die TAL-Gruppe (Transalpine Ölleitung), und das THW in einer Station im Bereich Lachsgang vor. Stahlbleche, die dank zweier Schwimmkörper rechts und links aufrecht im Wasser stehen, verbinden die THW-Kräfte Stück für Stück zu einer rund drei Kilometer langen Sperre. THW Boote ziehen die immer länger werdende, Sperrwand vor der Achenmündung im Chiemsee ein. Sie wird an dauerhaft am Seegrund verankerten Stahlseilen befestigt, deren freies Ende für den Ernstfall von gelben Bojen an der Wasseroberfläche gehalten werden.

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An zwei Pumpstationen und einer aus Booten montierten Pontonfähre wird mit moderner Technik das sich hinter der Sperre stauende Öl-Wasser-Gemisch von der Oberfläche abgesaugt. Auf den Stationen in Tanks zwischengelagert wird es über Schlauchleitungen in der Hirschauer Bucht an Land gepumpt. Aus den dort vom THW aufgestellten Auffangtanks bereitet eine auf LKW montierten Anlagemit dem Fachnamen Sepcon stündlich bis zu 40 Kubikmeter des Öl-Wasser-Gemischs auf und trennt das Wasser heraus. Allenfalls 15 Teile Öl bleiben auf 1 Millionen Teile Wasser wenn dieses wieder zurück in den Chiemsee geleitet wird. Das verbleibende, aufgefangene Öl kann mit LKW abtransportiert und entsorgt werden. Diese Sepconanlage gibt es in Bayern zwei Mal. Zum Chiemsee hatte die THW-Ölwehreinheit ihre aus Kehlheim mitgebracht. Die frühzeitige Trennung des wiederverwendbaren Wassers aus dem Öl-Wasser-Gemisch hat beim Hochwasser in Passau den logistischen Aufwand für den Transport um 90 Prozent reduziert.

Übungserfolg

Die Übung verlief reibungslos, freuten sich Klaus Labitzke vom THW Mühldorf und der Sachgebietsleiter Einsatz des bayerischen THW Uwe Schäfer, auch wenn eine Sturmwarnung am Freitagabend verzögert hatte. Wieder einmal war das perfekte System ineindergreifender Maßnahmen aufgegangen. Eine ganze Reihe von Spezialisten vom THW-Taucher über die Bootsführer bis hin zum Ölwehrtrupp aus Kehlheim müssen die Vielzahl der Handgriffe koordinieren. Das gelingt mit modernster, autarker Nachrichtentechnik und viel Erfahrung und Wissen aus unterschiedlichsten Einsätzen. Immerhin sind es 160 ehrenamtliche THW Einsatzkräfte aus acht unterschiedlichen Ortsverbänden der Region und aus Kelheim.

Die Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW)

Auf die selbstlose Arbeit solcher Freiwilliger gründet sich Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW) mit über 80.000 freiwilligen Helfern, darunter ca. 40.000 Einsatzkräften. Die kommen überall auf der Welt zum Einsatz und bewähren sich mit mehr als 10.000 Einsätzen im Jahr. Auch der technische Direktor Dirk Stark und die Leiterin Technik Deutschland Dr. Anett Bartscher-Hartmann von der Betreiberfirma TAL zeigten sich sehr zufrieden und lobten die nun schon jahrzehntelange Zusammenarbeit.

Eine Kette an Maßnahmen

Das Ölwehr am Chiemsee ist nur letzter einer ganzen Reihe von lokalen Sicherheitsmaßnahmen, berichtet auf unsere Nachfrage Uwe Schäfer vom THW. Feuerwehren und andere Organisationen greifen entlang des Gewässers bei jedem Ölunfall ein. Die große Ölwehr am Chiemsee ist letztes Glied einer Kette, das zum Einsatz kommt, wenn vorherige Maßnahmen gescheitert sind. Sie ist am Chiemsee installiert, weil die Ache als Hochgebigsstrom sehr unterschiedliche Wasserstände und Bedingugnen bietet und der Chiemsee das erste ruhige Gewässer mit gleichbleibendem Wasserstand ist.

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Das Naturschutzgebiet Achendelta

Die Naturschützer sehen die Zwänge für diese Ölwehr. Andererseits greift die alle drei Jahre stattfindende große Ölwehr in den Kernbereich des Naturschutzgebietes rund um das Mündungsdelta der Ache. Das Achendelta ist nicht zu ersetzender Rastplatz und Schlüsselstelle auf dem Weg der Zugvögel. Es bietet zudem Fischen und Wasserlebewesen Schutz- und Rückzugräume. Die Grundpopulationen an Vögeln im Sommer von 3000 Exemplaren erhöht sich während der Wintermonate auf bis 80.000 Bewohner. Deswegen ist das Achendelta auf verschiedene Weise unter Naturschutz gestellt. Im Kernbereich ist das Betreten selbst Fachleuten nur mit ausdrücklicher Einzelerlaubnis der Aufsichtsbehörden erlaubt. Die Naturschutzmaßnahmen bewähren sich seit Jahren.
Naturschützer und die Pipelinebetreiber stehen in regelmäßigen Kontakt. So wurden jetzt zur Ölwehrübung auch verschiedene Organisationen wie der Bayerische Landesverband für Vogelschutz und der Bund für Umwelt eingeladen. Aus ihrer Sicht ist problematisch, so schildert uns unter anderem Sabine Pröls vom Landesverband für Vogelschutz, dass die Übung immer wieder in den Kernbereich eingreift und Unruhe mit sich bringt. Naturschützer würden die Maßnahmen lieber flussaufwärts sehen, damit auch das Achendelta geschützt ist, erkennen aber auch die technischen Schwierigkeiten. Sie begrüßen, dass diese große Übung jetzt nur noch alle drei Jahre stattfindet. Dazwischen werden immer nur Einzelabschnitte des Szenarios geprobt, um die Störungen gering zu halten, berichtet Uwe Schäfer vom THW. Letztendlich – so klingt auch durch – respektieren die Naturschützer die Bedeutung der Ölpipeline und die Maßnahmen der Betreiberin der TAL Gruppe.

Die Transalpine Ölleitung

Die TAL-Gruppe, die Aktiengesellschaft der Transalpinen Ölleitung, ist ein Logistikunternehmen. Seit über 50 Jahren betreibt sie eine Ölpipeline. Die beginnt in der italienischen Hafenstadt Triest am Mittelmeer und führt über 753 km über die Alpen (1572 Meter über NN) nach Österreich und über Ingolstadt nach Karlsruhe. Die Leitung nach Mitteleuropa deckt die Rohölnachfrage Bayerns zu 100%, Deutschlands zu 40 Prozent und Österreichs zu 90%. Tschechien deckt 40% der Nachfrage mit dieser Leitung. Die zumeist unterirdisch, nicht sichtbar verlaufende Leitung kann in Spitzen 7500 m³ in der Stunde liefern und brachte auf das Jahr gesehen 2013 ca. 45 Millionen Tonnen Rohöl nach Mitteleuropa. TAL sieht sich als wichtigste Rohölpipeline Europas und eine Hauptschlagader für die Mineralölwirtschaft. Die Pipeline erspart täglich rund 10.000 Lkw Fahrten quer durch Europa.
Die TAL investiert ständig in die Sicherheit. Mit moderner Technik, parallel zur Pipeline verlaufend, wird diese ständig überwacht, erläuterten Dirk Stark und Dr. Anett Bartscher-Hartmann. Regelmäßig wird die Pipeline mit Hubschrauberflügen kontrolliert. Sicherheit und Umweltschutz stehe für die TAL-Gruppe mit an erster Stelle, hob deren technischer Direktor Dirk Stark hervor.

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Gemeinschaftsübung Feuerwehr Achental

17. Sep. 2014 23:31

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Unterwössen. Ein Alarm schreckte die Wehrleute der Feuerwehren Schleching, Reit im Winkel, Unterwössen und Oberwössen am Dienstagabend, 16. September, auf. Ein Zimmerbrand im Obergeschoss des Oberwössner Gasthofes zur Post war die Grundannahme für die groß angelegte Übung im oberen Achental. 16 Personen galten in dem verrauchten und weitläufigen Gebäude als vermisst.

Die Übung

81 Wehrleute rückten aus. Einsatzleiter war der Oberwössner Feuerwehrkommandant Walter Bauer. Die Nachsuche durch die Atemschutzträger im stark verrauchten in Nebentrakte verwinkeltem Gebäude und die anschließende Personenrettung waren zwei der Schwerpunkte des realistischen Szenarios. Immer wieder fanden die unter den Einschränkungen ihrer schweren Ausrüstung arbeitenden Kräfte Personen im Haus. Sie führten oder trugen sie heraus in die Helferhände. Zumeist waren das junge Burschen aus dem Dorf, die sich als Komparsen zur Verfügung gestellt hatten. Besondere Schwierigkeit stellte sich ein, als nach dem Szenario ein Atemschutzträger im Gebäude mit angenommenen gesundheitlichen Problemen vermisst wurde.

Das Gerät

Auch mit dem Feuerwehrhubsteiger und der Feuerwehrleiter simulierten die Einsatzkräfte Rettungsaktionen und Brandbekämpfung aus höheren Stockwerken. Aus Bach und Hydrant pumpten die Wehrleute Löschwasser und verlegten Schlauchleitungen für die vermeintliche Brandbekämpfung. Nach einer guten Stunde war der Einsatz vorbei, die Übungsaufgaben sämtlich gelöst, die Übungskomparsen nach wie vor bei bester Gesundheit. Den vielen Zuschauern hatten die Einsatzkräfte an den hell ausgeleuchteten Einsatzstellen ein breites Spektrum ihres Aufgabengebietes geboten.

Die Abschlussbesprechung

Während sich die Mannschaften bereits in der Feuerwehrhalle stärkten, rief Kreisbrandinspektor Georg König Kommandanten, Abschnitts- und Gruppenleiter zu einer Nachbesprechung zusammen. Von der Feuerwehr Marquartstein hatte sich Kommandant Thomas Mayr, aus der Grassauer Wehr der stellvertretende Kommandant Peter Hornberger als Schiedsrichter zur Verfügung gestellt.

Das Ergebnis

Die drei bescheinigten, dass die Übung „supergut“ gelaufen sei. Hornberger bestätigte für seinen Bereich, dass gerade die Rettungsszenarien innerhalb des Gebäudes und rund um den Atemschutz besonders anspruchsvoll gewesen seien. Die Übung in dem verwinkelten und verzweigten Gebäudeteilen hatte sich angeboten, weil das Objekt derzeit leer steht und verschiedene Bereiche so zugänglich gemacht werden konnten.
Trotzdem hatten die drei Schiedsrichter eine Fülle an Tipps, Korrekturen und Verbesserungsvorschlägen, die zeigten, wie förderlich solche Großübungen sind. Die Themen reichten vom Funkverkehr, über die Einsatzüberwachung und -planung bis hin zur Nachsuche im verrauchten Gebäude. Dabei zeigte sich Hornberger überrascht, dass ihm als Schiedsrichter offensichtlich wird, was ihm in der Anspannung des eigenen Einsatzes verborgen geblieben wäre. Weiterer Sinn der Übung war, den Nachwuchs an Einsatzszenarien heran zu führen, ohne sie Gefahren auszusetzen.

Gemeindemeinung

Zufrieden zeigte sich Zuschauer Ludwig Entfellner. Der Unterwössner Bürgermeister hatte sich bei der Übung einen Überblick über die Leistungsfähigkeit der Wehren verschafft. Er drückte in seinem Wort an die Feuerwehrkräfte seine Anerkennung aus. Dankbar unterstrich er die Bedeutung ihres Einsatzes für die Allgemeinheit.

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