Landrat Sigi Walch auf Speed

14.09.2014 02:47

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60 Jahre Deutsche Alpensegelflugschule Unterwössen

Unterwössen. Während draußen auf dem Flugfeld an der großen Halle die letzten Vorbereitungen für das Hangarfest zum 60. Jubiläum der DASSU, der Deutschen Alpen Segelflugschule Unterwössen, stattfanden, traf sich ein eher intimer Kreis zum Festakt des Jubiläums. Es gab schöne, auch humorige Reden, Erinnerungen an beinahe vergessene Zeiten und Fotos aus den Anfängen. Am Ende aber stand „Grau ist alle Theorie – entscheidend ist überm Platz“ im abgewandelten Zitat des ehemaligen Fußballtrainers Adi Preisler.

Total beeindruckt

Landrat Siegfried Walch erfuhr es am eigenen Leib: „Saugeil! Du bist ein wilder Hund!, titulierte er seinen Piloten. „Das hat sich echt rentiert.“ „Achterbahn ist dagegen ein Kindergarten.“, meinte er auf Nachfrage eines Zuschauers.

Geahnt - nicht gewusst

Der immer noch junge Flugsport bietet mehr als der Blick auf die gesetzten Zuhörer in der Reihe ausdrückt. Diese Männer und Frauen leben am Himmel auf. Für Siegfried Walch hatten die Flieger einen jungen Piloten, Michael Ender, ausgewählt und Walch zu einem Flug überredet. Eine Extra 300 sollte Landrat und Piloten in den grauen Himmel bringen. Was der Landrat ahnte, aber nicht wusste: Das ist eine 1988 auf den Markt gekommene Hochleistungsmaschine für den Wettbewerbskunstflug, die als eine der wenigen in der offenen Klasse wettbewerbsfähig ist.

Startvorberitung

Pilot Michael Ender versprach, er werde es ruhig angehen lassen, und zerstreute ein wenig die Bedenken seines Passagiers. Bis zu dem Zeitpunkt, als ein junger Helfer Walchs tadellosen Anzug zerknitterte, um ihn in einen Fallschirm zu gurten. Da keimte doch echte Sorge auf. „Keine Angst“, meinte sein Pilot. „Wir brauchen den nicht. Ich würde nie aus einer fliegbaren Maschine aussteigen.“

Das Cockpit

Was half es. Walch machte im Angesicht der jetzt doch großen Anzahl Schaulustiger lächelnde Mine zum Spiel, kletterte auf den Vordersitz im Cockpit. Dort wurde er vor einem beeindruckenden Armaturenbrett angeschnallt. Ender erklärte ihm vom Pilotensitz dahinter, gab letzte Anweisungen und erläuterte den Bordfunk. Walch verstand schnell: „Bloß nichts anfassen und hier an den Griffen festhalten!“ Und als der vierblättrige Propeller ansprang und der bullige Motor ersten Eindruck seiner Kraft lieferte, war an Aussteigen nicht mehr zu denken.

Der Kunstflug

Zügig rollte die Maschine an den Beginn der Startbahn, um kurz darauf mit lautem Motorgedröhn zu starten. Als sich die Räder vom Boden lösten, noch ein paar Meter Höhe gewonnen waren, zog die Maschine plötzlich extrem steil nach links oben. Ein breites Grinsen in den Gesicherter der vielen Zuschauer ließ Gedanken lesen: Wie es jetzt wohl dem Passagier gehen würde? Die Maschine verschwand hinter dem Buchberg, das Motorengeräusch belegte, da zog einer kräftig am Gas. Jetzt, ordentlich hoch kam der Flieger wieder herein, zog über dem Platz in einen Looping, glitt in eine gesteuerte Rolle um die Flugzeugachse geradeaus. Vier mal Zack, dann war das Cockpit wieder oben. Hinaus ging es zu einem ruhigen, aber schnellen Überflug. Wieder zurück, mit viel Geschwindigkeit, und dann ein wagemutiger Anstieg hoch in den Himmel. Höher, höher bis ins Schritttempo! Da kippte die Maschine ins Trudeln hinunter. Abgefangen, und wieder ging es hinter dem Buchberg zu einem ruhigen Überflug.

Erleichterung

Kurz darauf die Landung. Die Maschine kam auf ihren alten Standplatz zurückgerollt und als sich die Haube öffnete, sprudelte die Begeisterung aus Sigi Walch heraus.

Besser geht immer

6 ½ G, also die sechseinhalbfache Körperbelastung, oder sein sechseinhalbfaches Gewicht, hatte der Landrat in extremen Manövern aushalten müssen, bescheinigte sein Pilot. Also doch ein eher sanfter Kunstflug: Die Maschine ist für 10 G gebaut. Aber da sollte man vorher mal seinen Arzt fragen.

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